Reisepässe und Führerscheine als Handy-App

Österreichische Staatsdruckerei bringt Pass und Führerschein künftig auf Ihr Handy

01 - Huawei

In Zukunft werden sich die Menschen sicher digital ausweisen können. Das Problem der Realisierung der sicheren digitalen Identität soll aber nicht von Facebook, Google und Co gelöst werden, sondern von der österreichischen Staatsdruckerei. Diese ist gerade dabei, dafür eine entsprechende App zu entwickeln.

Das österreichische Know-how soll dazu beitragen, dass Personalausweise, Reisepässe und Führerscheine künftig nicht mehr in gedruckter Form mitgeführt werden müssen, sondern einfach und sicher auf dem Handy gespeichert werden können.

02 - Handy

Eine entsprechende Lösung inklusive App präsentierte die Österreichische Staatsdruckerei (OeSD) am Donnerstag in Wien. Das System, das auf den Namen MIA („My Identity App“) hört, soll nicht nur Identitätskontrollen in Österreich revolutionieren, sondern kann theoretisch von jedem Staat übernommen werden, der eine digitale Entsprechung zu herkömmlichen Ausweisen umsetzen möchte. Es soll in einem ersten Schritt diversen Staaten weltweit angeboten werden.

Das gesamte System in der Cloud

Um Datenmissbrauch zu verhindern, sollen die sensiblen Daten nicht auf dem Mobiltelefon, sondern zentral in der Cloud gespeichert werden, welche an das Handy über eine verschlüsselte Internetverbindung andockt. Der Austausch der Daten bei einer Ausweiskontrolle erfolgt erst nach erneuter Bestätigung des Ausweis-Inhabers auf dem eigenen Handy. Das Fremdgerät bekommt dabei über ein Hashtag-System ebenfalls nur Zugriff auf die Cloud – die Daten bleiben dort sicher verwahrt.

Für Behörden – etwa bei Verkehrskontrollen – könnte die Arbeit damit wesentlich erleichtert werden. Zulassungsschein und Führerschein werden inklusive Foto digital übermittelt, aber auch der Unfallort sowie ein Unfallhergang könnten sofort vor Ort elektronisch erfasst werden. Neben der Ausstellung eines Strafzettels in digitaler Form erlaubt das System auch, die Führerscheinberechtigung mit einem Klick zu entziehen oder bei Verdachtsmomenten die Person genauer zu überprüfen.

führerschein-reisepass

„Besserer Datenschutz“ durch mehrere Vorteile

Auf den ersten Blick klingt die Idee stark nach gläsernem Mensch, kann aber in vielen Situationen auch zu einem besseren Datenschutz führen, ist OeSD-Geschäftsführer Lukas Praml überzeugt.

So bekommt ein Türsteher bei der Altersüberprüfung eines Lokalbesuchers lediglich dessen Foto sowie die Bestätigung übermittelt, dass jener über 18 Jahre alt ist. Andere Daten wie Name, genaues Geburtsdatum etc. bleiben bei dieser Ausweiskontrolle geschützt, da sie irrelevant sind.

Ein anderes Anwendungsgebiet wäre zum Beispiel ein privater Autoverkauf oder das Ausweisen in einem Hotel, wo man bisher auch ohne Zögern seinen Reisepass oder andere persönliche Dokumente aushändigte. Weitere Szenarien sind das sichere Einkaufen im Internet oder etwa das Eröffnen eines Bankkontos online inklusive Identitäts-Check. Auch Gesundheitskarten und andere Firmen-ID-Ausweise könnten künftig in MIA hinterlegt werden.

03 - Lukas Praml
[Lukas Praml präsentierte die neue ID-Lösung]

Weitere Sicherheitsmerkmale

Damit das System noch sicherer wird, wird die App zusätzlich mit Fingerabdruck- oder PIN-Eingabe geschützt. Auch der neue Authentifizierungsstandard FIDO wird bei der Zweifaktor-Umsetzung berücksichtigt. Sollte das Handy verloren gehen, können die für das Gerät erteilten Zertifikate gelöscht werden. Die darauf verknüpften Ausweise werden damit für Kriminelle wertlos – laut Praml ein weiterer Vorteil im Vergleich zu gedruckten Ausweispapieren, die nach dem Verlust oftmals in falsche Hände gelangen.

Österreichisches Innenministerium interessiert

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner begrüßte die Lösung der Staatsdruckerei, die unter anderem für die Herstellung der Reisepässe verantwortlich zeichnet. „Die Chancen der Digitalisierung können nur genutzt werden, wenn wir wissen, mit welchem Gegenüber wir es zu tun haben. Es wäre wünschenswert, dass digitale Identitäten so sicher wie der Reisepass sind und solche Systeme auch in anderen Staaten zum Einsatz kommen“, sagte Mikl-Leitner.

04 - Smartwatch

Das neue System wird lt. Planung technisch in einem halben Jahr umsetzbar sein. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Fragen zu Datenschutz und Kosten dürften aber noch länger dauern. Die App ist für Android und iOS praktisch fertig entwickelt, auch Smartwatches auf Android-Wear-Basis sowie die Apple Watch werden mit adaptierten App-Versionen unterstützt. Wenn Sie bei der Entwicklung von MIA auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie sich auf der Webseite der Staatsdruckerei per E-Mail eintragen.

Quelle: Futurezhone.at

Tweet about this on TwitterShare on Google+1Share on Facebook0Email this to someone

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *